Il cantico delle creature von Francesco d’Assisi
Laudato si’, mi’ Signore, per frate vento et per aere et nubilo et sereno et onne tempo,
per lo quale e le tue creature dài sustentamento.
Laudato si’, mi’ Signore, per sora nostra matre terra, la quale ne sustenta et governa,
et produce diversi fructi con coloriti flori et herba. (Redazione Studenti, 2020)
geschrieben von Lorenza Menghini
Wir sind mitten im Sommer, die Sonne ist noch nicht aufgegangen, aber man spürt, dass es ein herrlicher Tag werden wird, weil keine Wolke am Himmel zu sehen ist und die ersten Vögel mit ihrem lieblichen Gesang den Tag einläuten. Ich ziehe meine Wanderschuhe an, setze meinen Rucksack auf die Schultern und mache mich auf den Weg Richtung Sassalbo. Der gewundene Pfad durch die Wiese führt mich hinauf zum Berg. Ich komme durch einen Wald, in dem ein ziemlich frischer Wind weht und ich muss mir meine Windjacke enger um die Schultern ziehen, um nicht zu frieren. Plötzlich endet der Wald und ich befinde mich auf einer Wiese voller bunter Blumen, ein Duft liegt in der Luft, der mich erkennen lässt, dass dies ein Ort fernab jeglicher Zivilisation ist, ein Ort mit wenigen Menschen, dennoch ein wunderbarer Ort. Plötzlich höre ich ganz in der Nähe den Pfiff eines Murmeltiers. Ich schaue auf und sehe es ein paar Schritte von mir entfernt auf einem Felsen stehen, es starrt mich mit seinen schwarzen Augen an und bewegt sich einen Moment lang nicht, dann dreht es sich plötzlich um und verschwindet in einer Höhle zwischen den Felsen. Ich halte noch einmal an einem kleinen Brunnen an und erfrische mich mit dem klaren, frischen Wasser, dann nehme ich den Weg wieder auf mich. Die Weide geht allmählich in eine trockene, mit Steinen bedeckte Lichtung über, was den Weg immer anstrengender zu begehen macht. Plötzlich entdecke ich das erste Edelweiß zwischen zwei Steinen versteckt. Dann sehe ich viele weitere, je mehr ich mich dem Gipfel nähere. Diese sehr seltenen und schönen Blumen sind ein echtes Geschenk der Natur.
Der Sassalbo-Pfad wird immer schwieriger und ich muss aufpassen, dass ich keine losen Steine fallen lasse.
Jetzt bin ich endlich auf dem Gipfel des Sassalbo, neben dem Kreuz. Die Aussicht ist grandios, ich sehe das ganze Val Poschiavo mit dem See bei Le Prese, der aus dieser Höhe winzig erscheint. Ich kann die Krone der Berge, den Gletscher des Pizzo Scalino und weitere Seen sehen, in denen sich der blaue Himmel und die weißen Wolken spiegeln. Ich schließe meine Augen und spüre, wie der Wind mein Gesicht streichelt. Meine Gedanken fliegen davon und mir wird bewusst, wie kostbar und schön die Erde ist. Ich stehe einige Augenblicke lang da, ohne mich zu bewegen. Ich atme tief durch. Ich fühle mich frei und glücklich an diesem Ort, den Gott uns gegeben hat.
